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Als Max Roach und Cecil Taylor Ende 1979 ihr historisches Duo-Konzert an der
Columbia University gaben, wurde es als Gipfeltreffen zweier Generationen von Jazz-Meistern gefeiert. Diese Beschreibung war etwas irreführend, weil sie sich eher auf die verschiedenen Epochen der Jazz-Geschichte bezog, die der Schlagzeuger und der Pianist repräsentierten, als auf ihr tatsächliches Alter - Roach war gerade mal fünf Jahre älter als Taylor. Dieses konstruierte Generationenmuster spielt auch in der Diskussion über improvisierte Musik in Europa eine Rolle, vor allem in Großbritannien, wo zwischen 1965 und 1985 mindestens drei Generationen von Improvisatoren heranwuchsen.
Evan Parker ist zwölf Jahre älter als Georg Graewe, ihr Altersunterschied ist somit mehr als doppelt so groß wie der zwischen Roach und Taylor. Trotzdem gibt es etwas, das diesen Unterschied ausgleicht, vielleicht auch nur auf theoretischer Ebene, das eine engere geschichtliche Bindung zwischen dem Saxophonisten und dem Pianisten schafft. Nämlich der FMP Katalog. Das Berliner Label hatte in den mehr als sieben Jahren vor der Veröffentlichung von New Movements, dem Debut des damals 20-jährigen Pianisten, im Jahre 1976 bereits 31 Alben herausgebracht; Parker war auf sieben von ihnen vertreten, unter anderem auf Peter Brötzmanns Machine Gun und auf drei Aufnahmen des Globe Unity Orchestra. Graewe führte eine neue "Generation" von
improvisierenden Musikern an auf ihrem Weg in eine geschichtsprägende Sammlung, eine Sammlung, die die Herzstücke der ersten Generation europäischer Improvisatoren wie Brötzmann und Alexander von Schlippenbach umfasste.
Graewe wandte sich jedoch bald vom Konzept des traditionellen Free Jazz Ensembles ab, um neue kompositorische Wege zu erforschen und Anfang der 80er Jahre improvisatorische Werke mit seinem GrubenKlangOrchester zu schaffen. Etwa zwölf Jahre später wandte Parker sich einem ähnlichen Projekt zu, als er sich mit seinem eigenen großen Ensemble, dem ständig wachsenden Electro-Acoustic Ensemble, mit den kompositorischen Implikationen im Bereich der Improvisation beschäftigte. Es gibt weitere Parallelen zwischen Parker und Graewe, die bedeutendste ist die Rolle ihrer langjährigen Trios - Parkers Trio mit Barry Guy und Paul Lytton und Graewes mit Ernst Reijseger und Gerry Hemingway - die als Konstante innerhalb ihrer jeweiligen Tätigkeit stehen.
Ihr einziges Zusammentreffen als Duo, das auf CD dokumentiert ist - Unity Variations (Okka Disk, 1998) - ist ein herausforderndes und fesselndes Album. Es wurde 1998 aufgenommen - in der Jazz Zeitrechnung sind das zwei ein halb Generationen.
Termin: 29.10. 2010 //
Georg Graewe meets Evan Parker // 20:00 Uhr // VVK 12€ // AK 15€ //
domicil // Hansastraße 7-11 // 44137 Dortmund // www.domicil-dortmund.de
When Max Roach and Cecil Taylor gave their historic duo concert at Columbia University in late 1979, it was hailed as a summit meeting between two generations of jazz masters. This was something of a misnomer that spoke more to the perception that the drummer and the pianist represented different eras of jazz history rather than to their actual ages - Roach was only five years older than Taylor. This faulty generational construct has also been present in the discussion of improvised music in Europe, particularly in the UK, where at least three generations of improvisers came of age between 1965 and 1985.
Evan Parker is twelve years older than Georg Graewe, a gap more than twice that separating Roach and Taylor. However, there's a countervailing metric, albeit a fanciful one, which places the saxophonist and the pianist in closer historical proximity. It is the FMP catalog. The Berlin-based label had issued 31 albums over seven year prior to New Movements, the then 20 year-old pianist's debut, in 1976; Parker played on seven of them, including Peter Brötzmann's Machine Gun and three Globe Unity Orchestra recordings. Graewe led a new "generation" of improvising musicians into a history-shaping catalog, one comprised of the core documents of first generation European improvisers like Brötzmann and Alexander von Schlippenbach.
However, Graewe soon shelved the traditional free jazz ensemble to pursue new compositional means to generate improvised materials with his GrubenKlangOrchester in the early 1980s. A similar inquiry gained traction with Parker about a dozen years later, with his articulation of the compositional implications of improvisation with his own large ensemble, the ever-expanding Electro-Acoustic Ensemble. There are other pa-rallels between Parker and Graewe, the most resonant being the role of long-standing trios - Parker's with Barry Guy and Paul Lytton, and Graewe's with Ernst Reijseger and Gerry Hemingway - as a strand of continuity in their respective activities.
Their one head-on collision documented on CD - Unity Variations (Okka Disk, 1998) - is a provocative and engaging album. It was recorded in 1998 - that's two and a half generations ago in jazz time.
Bill Shoemaker, August 2010
Bill Shoemaker ist Gründer und Herausgeber der Online Musikzeitschrift Point of
Departure, im Internet zu finden unter: www.pointofdeparture.org
Bill Shoemaker is the founder and publisher of Point of Departure, an online music journal
published at: www.pointofdeparture.org




